Im Gespräch mit Dennis Thering, Fraktionsvorsitzender der CDU in der Hamburgischen Bürgerschaft, Dr. Natalie Hochheim, Fraktionsvorsitzende der CDU in der Bezirksversammlung Wandsbek, sowie einem Gastredner aus der Wohnungswirtschaft (Herr Lohmann, Vorsitzender des VNW-Landesverbands Hamburg e.V. und Vorsitzender der Gemeinnützige Baugenossenschaft Bergedorf-Bille eG.) wurden zentrale Herausforderungen auf dem Hamburger Wohnungsmarkt sowie konkrete Lösungsansätze diskutiert.
Im Fokus standen steigende Baukosten, regulatorische Hürden und die Frage, wie Wohnen langfristig bezahlbar bleibt.
Ausgangslage: Wohnungsmarkt unter Druck
Der Wohnungsbau steht vor erheblichen strukturellen Problemen:
- Steigende Baukosten:
Die Kosten für Neubauprojekte sind massiv gestiegen. Beispiele aus Hamburg zeigen eine Entwicklung von etwa 1.800 €/m² (HafenCity, ca. 2006) auf ca. 6.000 €/m² (2026). - Grundstückspreise als Kostentreiber:
Neben Baukosten sind die Grundstückspreise weiterhin auf einem hohen Niveau. - Geringe Fluktuation im Bestand:
Besonders im genossenschaftlichen Wohnungsbau bleibt die Fluktuation niedrig, was den Neuzugang zu Wohnraum erschwert. - Neubau stockt:
Neubauprojekte im Bezirk sind schwierig umzusetzen und erfordern eine enge Abstimmung mit der Bezirkspolitik.
Zentrale Herausforderungen
- Bürokratie und Genehmigungsverfahren
- Verwaltungsprozesse sind häufig zu langsam und komplex.
- Zielvorstellung:
- Vollständigkeitsprüfung von Bauanträgen real innerhalb von zwei Wochen
- Frühzeitige Zusammenarbeit zwischen Bauamt, Investoren und Architekten wird als sinnvoll gesehen, findet aber in der Praxis zu selten statt. (sog. Antragskonferenz)
- Wirtschaftlichkeit des Bauens
- Viele Projekte sind aufgrund hoher Kosten kaum noch wirtschaftlich.
- Problematisch sind insbesondere:
- Altfälle mit ungünstigen Preisbindungen
- Preisorientierung am Umfeld, unabhängig von Wirtschaftlichkeit
- Das Erbbaurecht ergibt viele Probleme für die Wohnungswirtschaft.
- Für Eigentumswohnungen ist es nicht vorgesehen.
- Eigentumsbildung und soziale Durchlässigkeit
- Eigentum wird als wichtiger Bestandteil des gesellschaftlichen Aufstiegs gesehen.
- Forderungen:
- Stärkere Förderung von Wohneigentum
- Entlastung für Eigennutzer
- Konflikte bestehen etwa bei Bebauungsplänen im Hinblick auf bestehende Einfamilienhäuser (z. B. in Volksdorf).
- Demografischer Wandel und Wohnraumnutzung
- Wohnungstausch ist derzeit wenig verbreitet, auch im genossenschaftlichen Bereich.
- Ziel:
- Frühzeitiger Umzug in kleinere, altersgerechte Wohnungen
- Positive Ansätze:
- Teilweise Mitnahme des bisherigen Mietzinses bei Wohnungswechsel
Lösungsansätze und Reformideen
- Hamburg-Standard für günstigeres Bauen
- Ziel: Baukosten auf etwa 3.000 €/m² senken
- Maßnahmen:
- Verzicht auf Tiefgaragen
- Verzicht auf Keller
- Kooperation zwischen Bezirk, Bauherren und Planern wird gestärkt.
- Beschleunigung durch serielle Bauweisen
- Serielle Bauweisen können Bauzeiten deutlich verkürzen (z. B. von 2,5 Jahren auf ca. 1 Jahr).
- Innovative Konzepte wie flexible Raumstrukturen (z. B. aus Japan) werden diskutiert.
- Alternative Infrastrukturmodelle
- Einführung von Quartiershochgaragen als Ersatz für Tiefgaragen
- Verdichtung bestehender Flächen durch:
- Nachverdichtung in Wohnquartieren
- Umnutzung von Gewerbe zu Wohnraum
- Reformen auf Bundes- und Landesebene
- Bund:
- Schnellere und effektivere Umsetzung von KfW-Förderprogrammen
- Hamburg:
- Effizienzsteigerung der Verwaltung
- Verkürzung von Verfahren
- Rechtliche Anpassungen
- Diskussion über Einschränkung oder Abschaffung des Verbandsklagerechts auf Bundesebene
- Ziel: Planungs- und Genehmigungsprozesse beschleunigen
Weitere Handlungsfelder
- Ausbau seniorengerechten Wohnens
- Förderung kleinräumiger Lösungen im Bestand
- Abriss und Neubau veralteter Gebäude (z. B. Gemeindehäuser)
- Standardisierung bei Ausstattung (z. B. Böden und Küchen bei Mieterwechsel – Privatrecht)
Fazit
Der Wohnungsmarkt in Hamburg steht vor tiefgreifenden Herausforderungen, die ein entschlossenes politisches Handeln erfordern. Klar ist: Bauen muss einfacher, schneller und vor allem wieder wirtschaftlich möglich werden.
Aus Sicht der CDU braucht es dafür einen klaren Kurswechsel: weniger Bürokratie, schnellere Genehmigungsverfahren und verlässliche Rahmenbedingungen für Investoren und Bauherren. Nur so kann der dringend benötigte Wohnraum tatsächlich entstehen.
Eigentumsbildung ist dabei ein zentraler Bestandteil sozialer Sicherheit und des gesellschaftlichen Aufstiegs. Hier braucht es eine stärkere Förderung und spürbare Entlastungen für Menschen, die in die eigenen vier Wände investieren wollen.
Gleichzeitig gilt: Innovation im Wohnungsbau zulassen statt verhindern. Serielle Bauweisen, der Hamburg-Standard und neue Infrastrukturkonzepte wie Quartiersgaragen zeigen, dass kostengünstigeres Bauen möglich ist – wenn Politik und Verwaltung die richtigen Voraussetzungen schaffen.
Am Ende entscheidet das Zusammenspiel aus Mut zur Reform, effizienter Verwaltung und partnerschaftlicher Zusammenarbeit zwischen Politik, Wohnungswirtschaft und Planung darüber, ob Hamburg wieder ausreichend bezahlbaren Wohnraum schaffen kann.
Autor: Jens Wagner






